Seminarberichte und Infos zum Thema Migration und Integration

Das zweite Seminar „Made in Germany“ für von der AWO in Witzenhausen betreute Flüchtlinge fand am 19. August 2015 statt.

25 Flüchtlinge aus Eritrea, Pakistan, Afghanistan, Irak und Syrien wurden kompakt über die deutsche Geschichte und Werte informiert und diskutierten mit dem IBZW-Referenten, Michael Glameyer über die aktuelle Rolle Deutschlands in der europäischen Asylpolitk. Dabei wurden aktuelle Entwicklungen mit geschichtlichen Ereignissen und der sogenannten Realpolitik verbunden.

Beeindruckend war das Interesse der TN an Details und Zusammenhängen. Es wurde deutlich, dass Motivation und Wille vorhanden sind, Deutschland und seine Menschen möglichst gut zu verstehen. „Wir möchten möglichst schnell Deutsch lernen und hier arbeiten können.“

Wenige Tage später nahmen übrigens dieselben Flüchtlinge am Festumzug des Erntefestes teil und führten ein großes Transparent mit sich. Darauf stand auf Deutsch in großen Lettern: „Danke Witzenhausen!“ Dem Dank zu diesem Anlass für die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Bevölkerung Witzenhausens schließt sich das IBZW an dieser Stelle gerne an. Das nächste Seminar mit Flüchtingen ist bereits in Planung: abermals in Zusammenarbeit mit der AWO - Arbeiterwohlfahrt Werra-Meißner-Kreis e.V., gefördert vom Verein für Regionalentwicklung und dem Werra-Meißner-Kreis.

Auf Einladung des Landkreises fand am 10.07.2015 in Eschwege das Auftaktseminar der „Arbeitsgruppe Migration und Integration“ statt, an der etwa 100 Personen teilnahmen. Anlass war die Einrichtung der Koordinationsstelle „WIR“ zur Förderung der Willkommenskultur, in der Frau Julia Kapinus zukünftig als Ansprechpartnerin im Werra-Meißner-Kreis mit einer Fülle von Unterstützungsangeboten fungiert.


Einführung durch Landrat Stefan Reuß

v.l.: Michael Glameyer, Julia Kapinus, Ilona Friedrich
Fotos: Jörg Klinge

Nach der Einführung durch Landrat Stefan Reuß stellten die teilnehmenden Akteure von Kirchen, Projekten, Organisationen, Vereinen und Bildungseinrichtungen, Kommunen und der Kreisverwaltung ihre jeweiligen Aktivitäten und den Bezug ihrer Einrichtung zum Thema vor. Die so entstehende und von Moderator Michael Glameyer visualisierte Integrationslandkarte vermittelte eine gute Übersicht der aktuellen Situation.
In einem nächsten Schritt wurde in 5 Arbeitsgruppen die inhaltliche Basis für den Masterplan erarbeitet, der bis Mitte kommenden Jahres entstehen soll. Frau Ilona Friedrich, Leiterin Fachbereich Jugend, Familie, Senioren und Soziales, und Frau Julia Kapinus erläuterten hierzu die Arbeitsschritte, die vom Landkreis intensiv begleitet werden.

Der Austausch über die Fragen, was eigentlich eine Willkommenskultur ausmacht, wieso Respekt schon bei der Sprache wichtig ist und wir besser von „Flüchtlingen“ oder „Neu-Einheimische“ sprechen, als von „Asylanten“ ist ein guter Anfang.

Das wichtigste Ergebnis überhaupt war aber sicherlich festzustellen, wie positiv die Grundstimmung bei der Bevölkerung ist und wie stark und vielfältig das Engagement ist, die Flüchtlinge freundlich aufzunehmen und ihnen dabei zu helfen, sich zurechtzufinden. Es bestehen viele kompetente Angebote zum Erlernen der deutschen Sprache, zur Ausbildung und zur Förderung der beruflichen Integration.
Darüber hinaus zeigt sich, dass Integration keine Einbahnstraße ist und wieviel es auch für uns „Alteingesessene“ zu lernen gibt. „Wir gelten mit unseren neuen Mitschülern aus Syrien und Eritrea als die lustigste Klasse der Schule“ hieß es da - oder „Ersatz-Omas für junge Flüchtlinge zu sein macht uns wirklich viel Freude“.

Keine Frage: unser Landkreis ist im Begriff, sich zu verjüngen. Die „Neuen“ bringen neue Ideen, eine neue Kleiderordnung und Fröhlichkeit und Fähigkeiten mit. Je mehr wir uns wechselseitig miteinander wohlfühlen, umso eher wird der Weg, den wir gemeinsam zu gehen begonnen haben, ein guter sein. Auch wenn es irgendwann einmal gilt, die eine oder andere schwierige Situation oder Herausforderung gemeinsam zu bewältigen.

Dies ist sicherlich auch eine Botschaft an jene, denen es nicht leicht fällt, sich dieser neuen Erfahrung zu öffnen.

Am 25. Juni 2015 fand in den AWO-Räumen in Witzenhausen das erste Seminar „Made in Germany“ – Europäische und deutsche Geschichte, Kultur und Politik statt.

Die Idee zu diesem Seminar für Flüchtlinge im Werra-Meißner-Kreis stammte ursprünglich von AWO-Flüchtlingsbetreuer Torben Linde. So eröffnete er die Veranstaltung mit den Worten: „Es ist wichtig, die Geschichte eines Landes in dem man lebt, zu kennen. Dies wird Ihnen helfen, Deutschland und seine Menschen besser zu verstehen.“

Für 20 Flüchtlinge aus Eritrea, Pakistan, Albanien und Syrien wurde zunächst in Wort und Bild dargestellt, was es mit Bismarck, dem Dreikaiserjahr und den beiden Weltkriegen auf sich hat. Hierbei wurde auch ausführlicher thematisiert, wie der Holocaust im Schatten des 2. Weltkrieges systematisch betrieben wurde und was die Stolpersteine in Witzenhausen damit zu tun haben.

Besonders interessiert zeigte sich die Gruppe an der Wiedervereinigung und den Bildern von überschwänglich feiernden Deutschen und ihrer friedlichen Revolution. Sie erfuhren, was Presse- und Reisefreiheit bedeuten und wie wichtig es ist, als Bürger gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und für Werte einzutreten. So war sich die Teilnehmenden einig darin, dass es auf das Verhalten ankommt und nicht auf Hautfarbe, Herkunft, Muttersprache oder Religion.

Eine rundum gelungene Pilotmaßnahme des IBZW in Zusammenarbeit mit der AWO - Arbeiterwohlfahrt Werra-Meißner-Kreis e.V.. Gefördert vom Verein für Regionalentwicklung und dem Werra-Meißner-Kreis sind weitere 3 Seminare bereits in Planung.

Unter der Überschrift „Flüchtlinge sind uns willkommen: Keine Ausgrenzung oder Fremdenfeindlichkeit“ wurde am 2. März 2015 eine gemeinsame Erklärung des Kreistags des Werra-Meißner-Kreises beschlossen.

Weitere Informationen zur Erklärung siehe » Webseite des Werra-Meißner-Kreises